Fundstücke

Mai 2015

1965 präsentierte RECARO auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt den „Sportsitz“

„Nach der IAA war nichts mehr wie vorher“: 1965 präsentierte RECARO auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt den „Sportsitz“ und revolutionierte damit das automobile Sitzen. Vom Start weg war das neue Modell ein Erfolg. Kaum verwunderlich, denn der Sitz verkörperte bereits die ideale Kombination aus Funktion, Ergonomie und Ästhetik, die bei RECARO „Ingenious Design“ genannt wird. Und so steckt die stets weiterentwickelte Sportsitz-DNA heute in jedem unserer Produkte – ob auf der Straße, in der Luft oder für den Nachwuchs. Jörg Resag, seit 1960 beim Stuttgarter Karosseriewerk Reutter und ab 1963 bei RECARO für die Sitzentwicklung verantwortlich, erinnert sich in den RECARO GROUP NEWS an die Anfänge.

Wie ging es mit der Entwicklung des Sportsitzes los?

„Porsche entwickelte mit Reutter die Karosserie für den neuen 901. Wir waren für die Sitzentwicklung zuständig. Aus Zeit- und Kostengründen wollte Porsche jedoch kein völlig neues Produkt. Und der Sitz aus dem 356 war ja gut. Also wurde dieser modifiziert. Dennoch haben wir eigenständig an etwas Neuem gearbeitet. Wir, das bedeutete das Team der Sitzentwickler, Wolfgang Fussnegger und ich sowie Musterbauer Peter Trübiger. Unterstützt wurden wir vom technischen Leiter Werner Strien und Vertriebsleiter Walter Schäfer.“

Die Entwicklungsarbeit war also nicht umsonst. Wie ging es weiter?

„Zum richtigen Zeitpunkt kamen verschiedene Dinge zusammen, die die Entwicklung eines neuen Sitzes beeinflussen sollten: zum Beispiel neue Sicherheitsvorschriften vor allem aus Amerika. Aus dem Rallyesport war uns zudem bekannt, dass dort Sitze durch geringere Federwege grundsätzlich gut, aber für den Straßenverkehr nicht komfortabel genug waren. Orthopädisch richtiges Sitzen musste endlich in Serienfahrzeuge Einzug halten! Neue Automodelle waren dann eine Chance, etwas wirklich Besseres zu bringen.

Um nicht nur von einem Kunden abhängig zu sein, brauchten wir hier eine Lösung für eine breitere Zielgruppe. Schließlich kam das Team ‚autonova‘ mit seinen Entwicklungen und Skizzen auf uns zu. Diese haben wir serientauglich umgesetzt, und insgesamt führten diese verschiedenen Aspekte dazu, dass wir auf der IAA 1965 in Frankfurt den ersten Sportsitz vorstellen konnten.“

Das erste eigene RECARO Produkt zum richtigen Zeitpunkt?

„Grundsätzlich schon, aber dann wurden wir von dem Erfolg in Frankfurt und der Nachfrage doch überrascht. Am Anfang haben wir die Entwicklung Sportsitz auf eine kleine Serie ausgerichtet und dann wurden wir schier überrannt. Einen Preis für das neue Produkt hatten wir zwar noch nicht, aber unser Vertriebsleiter Walter Schäfer war trotz fehlender Kapazitäten begeistert: ,Ich verkaufe euch 1.000 Sitze im Monat!‘ Teilweise als Nachrüstsitz mit  entsprechender Konsole – das war ja auch etwas völlig Neues. Also mussten wir den Sitz durch einen neuen Aufbau wirklich serienreif machen.“

Vom Prototyp zum Markensitz?

„Nach der Messe mussten alle Teile überarbeitet und Werkzeuge erstellt werden, um den Sitz möglichst zügig verkaufsreif zu machen. Das haben wir recht schnell durchgezogen und hatten damit die Basis für den nachträglichen Einbau. Parallel mussten wir die wichtigsten Fahrzeuge – vor allem die mit den schlechtesten Seriensitzen – identifizieren und eine Lösung für den Austausch gegen unseren Sportsitz konstruieren. Zwar sollten insbesondere die sportlichen Fahrzeuge mit unserem neuen Produkt ausgerüstet werden können, aber der Anspruch, zugleich sicher und komfortabel sitzen zu können, sollte letztlich jedem Autofahrer zugutekommen.“